Konzertprogramm von Vadim Gladkov (Ukraine, Spanien) am 28.06.2026.

  


Ludwig van Beethoven (1770–1827)


Klaviersonate Nr. 12 op. 26 in As-Dur

Franz Liszt (1811–1886)

Cantique d’amour
aus Harmonies poétiques et religieuses S. 173
Impromptu in Fis-Dur S. 191
Mephisto-Walzer Nr. 1

Levko Revutsky (1889–1977)
Drei Präludien op. 4, op.7

Hennadii Liashenko (1938–2017)
Spiegelungen (1992)

Mykola Lysenko (1842–1912)
Ukrainische Rhapsodie Nr. 2 „Dumka–
Schumka“



Impulse. Empfindungen. Reflexionen.


Das Programm entfaltet sich als Dialog zwischen europäischer
und ukrainischer Musik.
Während die Werke von Beethoven und Liszt die Grundlagen der
europäischen Klaviertradition verkörpern, zeigen Lysenko,
Revutsky und Liashenko, wie diese künstlerischen Ideen in der
ukrainischen Musik eine neue Ausprägung finden. Von der
Romantik bis zur Moderne, von den Wurzeln des Volksliedes bis
zu zeitgenössischen kompositorischen Techniken offenbart das
Konzert die Kontinuität eines kulturellen Dialogs, in dem
Impulse der Vergangenheit zu Empfindungen und Reflexionen
nachfolgender Generationen werden.


Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Klaviersonate Nr. 12 op. 26, As-Dur

Die Sonate wurde in den Jahren 1800–1801 komponiert,
ungefähr zur gleichen Zeit, als Beethoven seine Erste Symphonie
vollendete. Das Werk ist Karl von Lichnowsky gewidmet, einem
Förderer des Komponisten seit 1792, und wurde 1802 in Wien
unter dem Titel „Grande Sonate“ veröffentlicht. Sie markiert
einen konzeptionellen Wendepunkt im Klavierschaffen
Beethovens. Der Komponist überschreitet die Grenzen der
klassischen Sonatenform – bereits der erste Satz eröffnet nicht
mit einem traditionellen Sonatenallegro, sondern mit einem
Variationszyklus, und kein Satz ist in Sonatenhauptsatzform
geschrieben.

Franz Liszt (1811–1886)
„Hymne der Liebe“ aus dem Zyklus Harmonies poétiques et
religieuses S.173 (1847–1853)

.
Der Zyklus ist Prinzessin Carolyne von Sayn-Wittgenstein
gewidmet, die der Komponist 1847 in Kyjiw kennenlernte. Ihre
enge Freundschaft dauerte bis zu Liszts Lebensende. Ihr widmete
er auch sämtliche seiner symphonischen Dichtungen.
In dieser Zeit wendet sich Liszt zunehmend vom Leben des
reisenden Virtuosen ab und beschäftigt sich intensiv mit
philosophischen und religiösen Themen. Besonders die Dichtung
Alphonse de Lamartines, die Fragen von Glauben, Leid, Liebe
und geistiger Erneuerung behandelt, inspirierte ihn.

„Impromptu“ Fis-Dur S.191 (1872)
Das Werk entstand in Weimar in der späten Schaffensphase
Liszts, in der er sich zunehmend kammermusikalischen,
konzentrierten Klavierminiaturen zuwandte. Es ist der Baronin
Olga von Meyendorff gewidmet, die zum engen Kreis des
Komponisten gehörte.

Mephisto-Walzer Nr. 1 (1856–1861)
Der Mephisto-Walzer Nr. 1 ist eine virtuose Darstellung einer
Episode aus Nikolaus Lenaus Faust-Dichtung.
Faust und Mephistopheles betreten eine Dorfwirtschaft, in der
gerade eine Hochzeitsfeier stattfindet. Mephistopheles ergreift
eine Violine von einem Bauern und beginnt zu spielen
(dargestellt durch die sich häufenden Quinten am Anfang des
Werkes). Die Dorfbewohner geraten in einen dämonischen
Tanzrausch. Nach der Wiederkehr des Hauptabschnitts folgt ein
langsamer Mittelteil mit neuem Thema: Faust verführt eine junge
Frau, und beide verschwinden schließlich im Wald. Der Gesang
einer Nachtigall erklingt, und die Musik steigert sich bis zu einem
Höhepunkt, der von einigen Forschern als eine der ersten
musikalischen Darstellungen eines Orgasmus in der klassischen
Musik interpretiert wird: Faust verbringt eine leidenschaftliche
Nacht mit der Frau.
Diese Szene bildet die Grundlage eines der wirkungsvollsten und
brillantesten Klavierwerke Liszts.
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Levko Revutsky (1889–1977)
Drei Präludien op. 4 (1914), op.7. (1918)

Levko Revutsky gehört zur Generation jener Komponisten, die
den ukrainischen musikalischen Modernismus des 20.
Jahrhunderts prägten.
Er wuchs in den Regionen Poltawa und Tschernihiw auf –
Gebieten mit einer tief verwurzelten Tradition mehrstimmigen
Volksgesangs. Seine ästhetischen Vorstellungen formten sich in
einer Epoche historischer Umbrüche – dem Ersten Weltkrieg,
der Revolution von 1917 und der kurzen Periode ukrainischer
Staatlichkeit. Die politische Turbulenz dieser Zeit führte zu einem
Wandel der künstlerischen Orientierung und begünstigte die
Entstehung einer neuen modernistischen Ästhetik mit einer
zugespitzten, lakonischen und harmonisch verdichteten
Musiksprache. Revutsky‘s Stil ist eine organische Synthese aus
Volksmelodik und europäischen Strömungen der Moderne –
Postromantik und Impressionismus.

Hennadii Liashenko (1938–2017)
„Spiegelungen“ (1992)

Hennadii Liashenko gehört zu den führenden Vertretern der
ukrainischen Komponistenschule der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Als Autor von sieben Symphonien, eines Balletts
sowie zahlreicher kammermusikalischer und vokaler Werke
entwickelte er einen individuellen Stil, der formale Klarheit,
polyphones Denken, klangdramaturgische Gestaltung und eine
chromatisch dichte Harmonik verbindet.
Sein Stil entstand an der Schnittstelle zwischen ukrainischer
musikalischer Tradition und neuen europäischen
kompositorischen Techniken im multikulturellen Umfeld Lwiws.
Der Komponist selbst bemerkte:
„In meinen Werken ist der Einfluss der karpatischen Intonation
spürbar. Außerdem entstand in Lwiw ein multinationaler
.
musikalischer Kontext, in dem österreichische, polnische,
tschechische und nationale Tendenzen koexistierten – mit einem
Wort: eine europäische Schule.“
Das Klavierstück Spiegelungen wurde 1992 als Pflichtstück für
den Internationalen Mykola-Lysenko-Wettbewerb komponiert.
In seiner konzentrierten Form vereint es charakteristische
Merkmale von Liashenko Stil: Klangfarbenbewusstsein,
polyphone Entwicklung und innere logische Strukturen des
musikalischen Prozesses. Variantenreiche und spiegelbildliche
Transformationen der thematischen Elemente erzeugen dabei
den Effekt eines inneren „Echos“ des musikalischen Bildes.

Mykola Lysenko (1842–1912)
Ukrainische Rhapsodie Nr. 2 „Dumka–Schumka“
(1877)
Mykola Lysenko kann für die ukrainische Kultur mit den großen
romantischen Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Chopin,
Liszt, Brahms oder Dvořák verglichen werden. Als Komponist,
Pianist, Dirigent und Ethnograph erhielt er eine fundierte
europäische Ausbildung, unter anderem am Leipziger
Konservatorium in den Fächern Komposition und Klavier. Die
Verbindung europäischer Traditionen mit tiefem Wissen über die
ukrainische Volkskultur bildete die Grundlage der ukrainischen
Komponistenschule des späten 19. Jahrhunderts, deren
Begründer Lysenko ist.
Das Genre der Rhapsodie war im 19. Jahrhundert typisch für
romantische Komponisten wie Liszt, Brahms und Dvořák.
Lysenko führt diese Tradition in der ukrainischen Musik fort und
schafft ein groß angelegtes virtuoses Werk auf folkloristischer
Grundlage. Während Liszts Rhapsodien auf ungarischer
Volksmusik basieren, sind es bei Lysenko die rezitativischen
Intonationen der Kobzaren – der traditionellen ukrainischen
epischen Sänger –, verbunden mit der Rhythmik des
Volkstanzes.

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Vadim Gladkov
, in Kiew geboren, zählt zu den
herausragenden Pianisten seiner Generation. Das Studium an der
Nationalen Musikakademie der Ukraine in Kiew schloss er mit
Auszeichnung ab und setzte seine Studien an der Escuela
Superior de Música Reina Sofía in Madrid fort. Sein Spiel
begeistert durch stilistische Vielseitigkeit mit tiefem
musikalischem Ausdruck bei technischer Brillanz.
Vadim Gladkov gewann neben zahlreichen anderen u.a. folgende
Preise:
• Großer Preis beim IX. Internationalen Klavierwettbewerb „Da
Cidade do Porto“ (1992)
• Erster Preis und Goldmedaille beim I. Internationalen
Wettbewerb „N. Lyssenko“ (Kiew, 1992)
• Erster Preis beim XII. Internationalen Klavierwettbewerb von
Ibiza (1998)
• Erster Preis beim IV. Internationalen
Kammermusikwettbewerb „Guadamora“ (Córdoba, 2003)
• Erster Preis und Sonderpreis beim VII. Internationalen „Grieg“-
Wettbewerb für Klavierduos (Oslo)
Als Solist und Kammermusiker konzertierte Gladkov in der Royal
Albert Hall, dem Concertgebouw, dem Rudolfinum und in der
Suntory Hall. Eingeladen zu bedeutenden Festivals in und
außerhalb Europas musizierte er mit namhaften Musikern wie
Zakhar Bron, Nicola Benedetti, Natalia Gutman und Hansjörg
Schellenberger.

Neben seiner aktiven Konzerttätigkeit unterrichtet er als
Klavierprofessor an der Escuela Superior de Música Reina Sofía
in Madrid sowie und gibt regelmäßig Meisterkurse in ganz
Europa.

Seine Diskografie umfasst u.a. Einspielungen mit
herausragenden Künstlern, darunter die CD „In Recital“ mit der
Violinistin Mayuko Kamio (SONY BMG). Vadim Gladkov gehört
zweifellos zu den angesehensten Pianisten unserer Zeit.


Tatjana Shylina-Lenk