Viktor Kosenko (1896-1938)

Der ukrainische Komponist Viktor Kosenko ist gleichzeitig bekannt und unbekannt. Obgleich seine Klavierwerke von virtuosen Pianisten wie auch Klavierschülern gespielt wurden, blieb das gesamte Oeuvre einem breiten Publikum weitgehend unerschlossen.

In St. Petersburg geboren, wuchs er in Warschau in einer hochmusikalischen Familie auf und komponierte mit 12 Jahren bereits sein erstes Klavierwerk. Er wurde zunächst im Konversatorium in Warschau unterrichtet und führte im Anschluss seine Studien in den Fakultäten Klavier und Komposition in St. Petersburg fort.

Nach Abschluss des Studiums 1918 ging Kosenko nach Schytomyr, einem kleinen Ort in der ukrainischen Provinz und entwickelte dort eine umfangreiche Tätigkeit als Interpret, Komponist und Pädagoge. Sein Leben und seine Beziehung zur herrschenden Sowjetmacht bleiben weitgehend im Dunkeln. Möglicherweise wählte er die Provinz in der Hoffnung, der staatlichen Kontrolle und Repression zu entgehen und tatsächlich komponierte er in dieser Zeit zahlreiche Klavierwerke, Romanzen sowie Instrumentalmusik. Wurden seine Werke wegen ihrer Vielfalt und Virtuosität zunächst gerühmt, wurden der Notendruck 1935 verboten, geplante Aufführungen wurden abgesagt und Porträtaufnahmen von ihm entfernt.

Kurz vor seinem Tod wurde er mit Ehren überhäuft und seine Werke durften wieder veröffentlicht werden.

1938 starb Kosenko im Alter von 41 Jahre an einer schweren Krankheit. Nach seinem Tod wurde er weiterhin demonstrativ geehrt, wurde aber dennoch überwiegend als Komponist für Kindermusik dargestellt. Das war eine einerseits eine bekannte Methode, die Bedeutung der Komponisten zu minimieren (und sie gegenüber der russischen Musik als nicht ebenbürtig darzustellen), andererseits war es auch der Versuch der Komponisten, sich den russischen Vorgaben und Restriktionen zu entziehen.

Die Musik Kosenkos, virtuos und anspruchsvoll, findet heute in Europa und Amerika große Anerkennung. Sie passt sich einerseits in den (west-) europäischen Kontext ein, verleugnet aber nie ihre ukrainische Herkunft und ihre über die Emotion erfolgende und im Herzen lokalisierte Wahrnehmung der Welt.

Kosenko hinterließ Dutzende von Werken, die zum Fundus der ukrainischen Klaviermusik gehören. Viele Generationen von Pianisten sind mit dem „Album für Klavierstücke“ aufgewachsen.

Weitere Werke: ( das bitte als eigenen link

Symphonische Musik:

Heroische Ouvertüre für Symphonieorchester (1932)

Moldauische Poeme (1937)

Klavier und Orchester

Konzert (1928-1937), fertiggestellt von L.Revutskyi und G. Mayboroda

Kammermusik:

Trio (1927)

Sonate für Violoncello und Klavier (1923)

Sonate für Violine und Klavier (1927)

Sonate für Bratsche und Klavier (1928)

Violinkonzert

Klavier:

6 Poeme (1915-1921)

2 Poeme (1921)

3 Sonaten (1922,1924,1926-1930)

2 Konzertwalzer (1931)

11 Etüden op. 8

Etüden, Mazurken, (op.3 u.9.), Menuett op.3, Nocturne-Fantasie op. 4, Nocturne op.9, Präludien u.a.

Romanzen zu Texten ukrainischer und russischer Dichter (P. Tichina, A. Puschkin, A.Blok. A. Apuchtin, K.Balmont und andere)

Lieder, Bearbeitungen ukrainischer Volkslieder für Männerquartett a capella

24 Werke für Kinder, einschließlich eines Zyklus von 6 Kinderweihnachtsliedern (1936-1938)

Musik zum Film: „Der letzte Hafen“ (1934, Regie: A.Kordjum), musikalische Begleitung von Theaterstücken

Arrangements und Harmonisierungen ukrainischer, russischer und belarussischer Volkslieder

Werke für Chor