Konzertprogramm von Anna Fedorova ( Ukraine, Niederlande) am 25.04.2026
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PROGRAMM
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Klaviersonate Nr.23, op.57 „Appassionata“
(1804-1805)
Johannes Brahms (1833–1897)
Sechs Klavierstücke op. 118 (1893)
Viktor Kosenko (1896-1938)
Zwei Poeme-Legenden op.12 (1921)
Myroslav Skoryk (1937–2020)
Walzer aus Partite No.5 (1975)
Borys Fedorov / Anna Fedorova
2 Improvisationen über Themen
französischer Chansons (2020)
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Wien — Kyjiw: zwei Städte—vier Stimmen
In unserem heutigen Konzertprogramm Wien-Kyjiw:
zwei Städte - vier Stimmen möchten wir Sie mitnehmen auf
den Weg von Wien bis in die Ukraine.
Die legendäre „Apassionata“ von Ludwig van Beethoven
sowie Opus 118 von Johannes Brahms stehen im Dialog mit
Werken des ukrainischen Komponisten Viktor Kosenko und
Myroslav Skoryk.
Verfolgt man die musikalische Entwicklung dieser
herausragenden ukrainischen Komponisten des 20.
Jahrhunderts, so führen Sie letztendlich zurück nach Wien.
Der erste bedeutende Lehrer Viktor Kosenkos in
Warschau war Alexander Michalowski, ein Schüler des
polnischen Komponisten und Pianisten Ignaz Moscheles. Er
hatte in Wien Komposition bei Georg Albrechtsberger und
Antonio Salieri studiert.
Zu den Lehrern klassischer ukrainischer Musik
Myroslavs Skoryks gehörte Stanislav Ljudkevytsch, der seine
Ausbildung am Wiener Musikinstitut in der Klasse des
österreichischen Komponisten Alexander von Zemlinsky
und Herrmann Graedner erhielt.
Die kraftvollen Wurzeln der „Wiener Schule“ von vor
über 200 Jahren wirkten über ihre Nachfolger in anderen
Kulturen weiter, darunter auch der ukrainischen, fielen hier
auf fruchtbaren Boden und brachten eigenständige,
unverwechselbare Früchte hervor.
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sonate Nr.23 f-moll "Appassionata", op. 57
(1804-1805)
Die "Stimme" Ludwig van Beethovens im Wien des
frühen 19. Jahrhunderts wurde zum Symbol einer Epoche
.
und zugleich zum Vorboten eines neuen Denkens, das den
nachfolgenden Komponisten neue Perspektiven eröffnete.
Beethovens Begeisterung für die Französische
Revolution, die er zunächst mit Napoleon verband, wich der
Enttäuschung nach dessen Krönung zum Kaiser: Beethoven
zog die Widmung seiner Dritten Symphonie (Eroica 1804)
zurück; vielmehr wurde sein späteres Schaffen eine
Darstellung innerer Konflikte und persönlicher Dramatik.
Der fortschreitende Hörverlust bedrohte zunehmend die
Möglichkeit, als Pianist oder Dirigent aufzutreten.
In dieser, von der Musikwissenschaft als "heroisch"
bezeichneten Phase, entsteht die Sonate 23 f-moll
"Appassionata".
Im Umgang mit neu entwickelten Instrumenten
erschließt Beethoven neue klangliche Möglichkeiten des
Klaviers. Durch die Bereicherung der Faktur mit neuen
klangfarblichen und dynamischen Kontrasten und die
Erweiterung der
Register entstehen innerhalb der klassischen Form
eine neue Qualität- ein expressiver Ausdruck, der die
Grundlage der musikalischen Romantik bildet.
Johannes Brahms (1833-1897)
Klavierstücke op.118 (1893)
In Wien, der Stadt des Beethoven-Erbes, erlangt
Johannes Brahms breite Anerkennung als einer der
führenden Vertreter der europäischen Musiktradition in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; seine erste Symphonie
wurde von der Kritik als "Beethovens Zehnte" bezeichnet.
Brahms knüpfte an klassische Gattungen an und
transformierte sie, variierte sie mit großer Vielfalt hin zu
einer inneren Geschlossenheit.
Die Klavierstücke op.118, 1893 vollendet und Clara
Schumann gewidmet, bestehen aus sechs Miniaturen:
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entstanden sind sie vier Jahre vor dem Tod des
Komponisten. Jede entfaltet ein vielschichtiges Spektrum
innerer Empfindung. Im letzten Intermezzo wird eine
Anspielung auf das mittelalterliche Motiv des Dies Irae
hörbar, das sich in der klanglichen Schönheit der
Brahmsschen Harmonik auflöst und Zeit und Raum
verbindet.
Viktor Kosenko (1896-1938)
Zwei Poeme - Legenden op.12 (1921)
Die Musik Viktor Kosenkos erklingt vor dem
Hintergrund der turbulenten Ereignisse im Zusammenhang
mit der Gründung der ukrainischen Volksrepublik 1918.
Zu Beginn des ersten Weltkrieges zog die Familie
aufgrund des Militärdienstes des Vaters nach Petrograd.
1918 kehrte der junge Komponist nach Schytomyr zurück.
Zu diesem Zeitpunkt war Kosenko bereits ein Musiker, der
durch das kulturelle Umfeld in Warschau europäisch
geprägt war.
In diesen Jahren kristallisierte sich Kosenkos
individuelle musikalische Sprache heraus, eine Verbindung
westlicher Musikkultur mit ukrainischem intonatorischem
Denken.
Erstmals erscheint in der ukrainischen Musik die
Gattung der Poeme. In den „Zwei Poemen-Legenden“ op. 12
entfaltet sich durch intonatorische Entwicklung und
fakturale Dramaturgie eine eigenständige Klangsprache, in
der sich Spannung der Epoche, innere Zuspitzung und tiefer
Lyrismus verbinden — jene Eigenschaften, die Kosenkos
„Stimme“ im europäischen Kontext des 20. Jahrhunderts
prägen.
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Myroslav Skoryk (1938–2020)
Walzer aus der Partita Nr. 5 (1975)
Die „Stimme“ Myroslav Skoryks erfüllt die ukrainische
Musikkultur mit einer lebendigen, unerschöpflichen
Energie, die sich trotz der tragischen Herausforderungen
des 20. Jahrhunderts immer wieder erneuert.
Symbolisch ist, dass sich die Eltern des Komponisten in
Wien kennenlernten, wo sie beide an der Universität
studierten. Skoryks Herkunft aus einer gebildeten,
künstlerisch geprägten Familie sowie frühe musikalische
Eindrücke im Elternhaus prägten seinen Weg nachhaltig.
In seinem Schaffen verbindet Skoryk unterschiedliche
stilistische Ebenen — von folkloristischen Quellen bis hin zu
modernen Kompositionstechniken. Seine musikalische
Sprache zeichnet sich durch melodische Prägnanz,
klangliche Farbigkeit und harmonische Freiheit aus; auch
Elemente der Jazz-Improvisation werden organisch
integriert.
Der „Walzer“ aus der Partita Nr. 5 erscheint als
ironische Anspielung auf den Wiener Walzer des 19.
Jahrhunderts: Die charakteristische Dreiertaktbewegung
bleibt erhalten, wird jedoch durch jazzinspirierte Harmonik
und flexible, nuancenreiche Rhythmik neu interpretiert.
Borys Fedorov / Anna Fedorova
Improvisationen über Themen französischer
Chansons (2020)
Die Hinwendung zum französischen Chanson entstand
aus der Begegnung Anna Fedorovas mit dem französischen
Schauspieler Pierre Richard. Im Rahmen eines
gemeinsamen Projekts entwickelten die Pianisten ein
.
eigenes musikalisches Konzept, das die Atmosphäre
Frankreichs der 1970er und 1980er Jahre einfängt.
Aus der vertieften Auseinandersetzung mit dem Genre
entstanden Improvisationen über Themen zweier
Chansonniers — Barbara („Pierre“) und Georges Moustaki
(„Ma Liberté“). Die Improvisationen von Anna und Borys
Fedorov bilden damit eine weitere „Stimme“ — frei, lebendig
und offen — die Tradition und Gegenwart, Wien und Kyjiw,
akademische Kunst und Improvisation miteinander
verbindet.
Anna Fedorova
Die ukrainisch-niederländische Pianistin Anna Fedorova
besticht seit früher Kindheit durch außergewöhnliche
musikalische Reife und brillante Technik.
Sie konzertiert regelmäßig in führenden Sälen weltweit,
darunter das Concertgebouw Amsterdam, die Carnegie Hall
und das Lincoln Center in New York, die Tonhalle Zürich,
die Elbphilharmonie Hamburg sowie die Royal Albert Hall
in London.
Sie ist regelmäßiger Gast bedeutender Festivals, darunter
das Verbier Festival, das Ravinia Festival und La Roque
d’Anthéron.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit engagiert sie sich seit
2022 intensiv in Benefizkonzerten zugunsten der Ukraine.
Anna Fedorova erhielt ihre Ausbildung in Kiew, Imola und
am Royal College of Music in London. Zu ihren Mentoren
zählen u. a. Alfred Brendel und Sir András Schiff. Sie ist
Mitbegründerin der Davidsbündler Music Academy in Den
Haag.
Tatjana Shylina-Lenk



