{"id":6392,"date":"2026-04-07T19:05:42","date_gmt":"2026-04-07T17:05:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umfuturum.com\/?p=6392"},"modified":"2026-04-07T19:37:59","modified_gmt":"2026-04-07T17:37:59","slug":"das-programm-zum-konzert-von-violina-petrychenko-ukraine-am-20-12-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/programme-von-konzerten\/das-programm-zum-konzert-von-violina-petrychenko-ukraine-am-20-12-2025\/","title":{"rendered":"Das Programm zum Konzert von Violina Petrychenko (Ukraine) am 20.12.2025"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><br><br>.<br>\u00abAdventskl\u00e4nge\u00bb<br>von J. S. Bach bis S. Liudkevych<br>In der Adventszeit sehnen wir uns nach Sch\u00f6nheit, W\u00e4rme<br>und einer feierlichen Stimmung. Im Konzert erklingen<br>Klavierminiaturen, vielf\u00e4ltig in Charakter und Stil, zugleich<br>verbunden durch eine poetische, lyrische Ausdrucksweise.<br>Sie schaffen eine Atmosph\u00e4re des Erwartens \u2013 von stiller<br>Freude, Frieden und innerer Harmonie.<br>Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810\u20131849)<br>Mazurken op.17<br>Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin widmete sich dem Genre der Mazurka<br>sein Leben lang. Inspiriert vom musikalischen Erbe seiner<br>Heimat, verbrachte er die Sommer oft in Masuren, der<br>Region, aus der dieser Volkstanz stammt. Dort h\u00f6rte er die<br>Lieder und Weisen \u00f6rtlicher Musiker und verwandelte<br>Elemente des polnischen Folklorestils in eine kunstvolle<br>Form der Klavierminiatur.<br>Ein Jahrhundert sp\u00e4ter findet diese Tradition ein Echo im<br>Werk des ukrainischen Komponisten Viktor Kosenko<br>(1896\u20131938). Sein \u201eukrainischer Blick\u201c auf das<br>europ\u00e4ische Klavierrepertoire formte sich bereits w\u00e4hrend<br>seines Studiums am Warschauer Konservatorium. Der<br>Einfluss Chopins ist in seinen fr\u00fchen Werken deutlich zu<br>sp\u00fcren, darunter im Zyklus Drei Mazurken op. 3 (1916\u2013<br>1923).<br>.<br>Stanislav Liudkevych (1879\u20131979)<br>Nocturne cis-Moll (1954)<br>Dieses Nocturne entstand in der Atmosph\u00e4re kultureller<br>Salonbegegnungen im Lemberger Haus der<br>Wissenschaftlerin Olha-Olena Yurkevych, wo sich die<br>intellektuelle und k\u00fcnstlerische Elite der Stadt versammelte.<br>In einem Brief an den Komponisten schrieb sie:<br>\u201eManchmal vergesse ich, wer Sie sind, und verhalte mich so<br>ungezwungen\u2026 Und manchmal beobachte ich Sie \u2013<br>besonders wenn Sie spielen \u2013 und genie\u00dfe jeden<br>Augenblick.\u201c<br>Am 24. Dezember, am Heiligen Abend, antwortete<br>Stanislav Liudkevych auf diese besondere N\u00e4he mit einer<br>musikalischen Botschaft: seinem Nocturne cis-Moll.<br>Vasyl Barvinsky (1888\u20131963)<br>F\u00fcnf Pr\u00e4ludien (1908)<br>Vasyl Barvinsky gilt als einer der \u201eletzten Romantiker\u201c<br>der modernen ukrainischen Musikgeschichte. Er verbindet<br>in seinem Stil volksliedhafte Intonation, klassische Klarheit<br>der Proportionen und eine neoromantische Klangsprache.<br>Die F\u00fcnf Pr\u00e4ludien, entstanden mit zwanzig Jahren,<br>zeichnen sich durch feine Farbnuancen, poetische<br>Stimmungen und die Herausbildung seiner individuellen<br>Handschrift aus.<br>1948 wurde Barvinsky verhaftet und gezwungen, im Hof<br>des Lemberger Konservatoriums s\u00e4mtliche eigenen<br>Partituren zu verbrennen. Zehn Jahre verbrachte er in den<br>Mordwiner Lagern. Nach seiner R\u00fcckkehr rekonstruierte er<br>.<br>seine Werke aus dem Ged\u00e4chtnis \u2013 bis zu seinem<br>Lebensende. 1964 wurde er rehabilitiert.<br>Johann Sebastian Bach (1685\u20131750)<br>\u201eSchafe k\u00f6nnen sicher weiden\u201c<br>aus der Kantate BWV 208<br>Die Arie Nr. 9 aus der Kantate Was mir behagt, ist nur die<br>muntre Jagd, komponiert 1713 zum Geburtstag des Herzogs<br>von Sachsen-Wei\u00dfenfels, besitzt einen ruhigen, idyllischen<br>Charakter. Die zarte Melodie entfaltet sich in einer barocken<br>pastoralen Klangwelt und klingt wie ein leises, lichtes Gebet.<br>Im Original ist die Arie f\u00fcr zwei Alt-Blockfl\u00f6ten und Basso<br>continuo gesetzt.<br>Edvard Grieg (1843\u20131907)<br>Notturno, op. 54 Nr. 4<br>(aus dem Zyklus Lyric Pieces, 1891)<br>Der Zyklus Lyric Pieces (1867\u20131901) umfasst zehn Hefte mit<br>Miniaturen, die Grieg als \u201eintime Geschichte meines<br>Lebens\u201c bezeichnete. Er poetisierte in diesen St\u00fccken die<br>nordische Natur \u2013 ihre Mythen, M\u00e4rchen, herb-kristallene<br>Sch\u00f6nheit und stille Erhabenheit.<br>Das Notturno, im Sommer 1891 in Trolldhaugen<br>komponiert, entstand unter dem Eindruck der<br>\u201esamtschwarzen N\u00e4chte \u00fcber der Bucht\u201c, wie Grieg schrieb.<br>Sanft pulsierende Begleitfiguren, liedhafte nordische<br>Melodik und farbige, bisweilen impressionistische<br>Harmonik formen einen Klangraum stiller n\u00e4chtlicher Tiefe.<br>.<br>Franz Liszt (1811\u20131886)<br>Polnisch aus dem Zyklus Weihnachtsbaum, S. 186<br>(1873\u20131881)<br>Der Zyklus Weihnachtsbaum besteht aus zw\u00f6lf<br>Charakterst\u00fccken und ist Liszts Enkelin Daniela von B\u00fclow<br>gewidmet. Die Urauff\u00fchrung fand am Heiligen Abend 1881<br>in ihrem Hotelzimmer in Rom statt.<br>Diese Miniaturen aus Liszts Sp\u00e4twerk verzichten auf<br>virtuosen Glanz; stattdessen entfalten sie eine klare,<br>abgekl\u00e4rte Klangsprache und eine feierlich-erwartungsvolle<br>Stimmung der Weihnachtszeit.<br>Mykola Leontovych (1877\u20131921)<br>Shchedryk<br>(Klaviertranskription von Serhii Yushkevych)<br>Shchedryk, weltweit bekannt als Carol of the Bells, basiert<br>auf einer ukrainischen Neujahrsmelodie, deren Wurzeln bis<br>in die Kiewer Rus zur\u00fcckreichen. Urspr\u00fcnglich<br>symbolisierte sie den Fr\u00fchlingsbeginn, der bei den<br>Ostslawen mit der R\u00fcckkehr der Schwalben zusammenfiel.<br>Leontovych verwandelte diese einfache Vier-NotenMelodie in eine meisterhafte Chorkomposition, die<br>internationale Bekanntheit erlangte.<br>In den 1920er Jahren machte der Ukrainische Nationalchor<br>unter Alexander Koshetz das Werk w\u00e4hrend einer<br>Weltreise ber\u00fchmt. Nachdem es im New Yorker Carnegie<br>Hall erklang, schuf der Dirigent Peter Wilhousky die<br>englische Fassung Carol of the Bells, in der die Schwalben<br>durch \u201ejingling bells\u201c ersetzt wurden.<br>.<br>Leontovych, der sich in der Ukraine vor bolschewistischen<br>Repressionen versteckte, wurde 1921 von einem Agenten der<br>sowjetischen Tscheka ermordet \u2013 ohne zu erfahren, dass<br>sein Shchedryk eines der bekanntesten musikalischen<br>Symbole der Ukraine werden sollte.<br>Violina Petrychenko (Klavier)<br>Die ukrainische Pianistin aus Saporischschja erhielt ihre<br>musikalische Ausbildung an der Nationalen Musikakademie<br>der Ukraine und setzte ihr Studium sp\u00e4ter an den<br>Musikhochschulen in Weimar, K\u00f6ln und Essen fort. Sie<br>wurde u. a. mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet. Ein<br>zentraler Fokus ihres k\u00fcnstlerischen Schaffens ist die<br>internationale Pr\u00e4sentation ukrainischer Klaviermusik.<br>Mit vielbeachteten Aufnahmen wie Ukrainische<br>Stimmungen, The Silent Voice of Vasyl Barvinsky und<br>Dreams \u2013 Ukrainian Hope (Opus-Klassik-Nominierung)<br>hat sie sich als bedeutende Botschafterin dieser Musik<br>etabliert. Besondere Anerkennung fand ihre<br>Wiederentdeckung des Werkes von Vasyl Barvinsky, dessen<br>Klavierkonzert sie 2022 erstmals in London und Palermo<br>auff\u00fchrte.<br>Als gefragte Konzertpianistin tritt sie regelm\u00e4\u00dfig in<br>Deutschland und Europa auf. 2023 gr\u00fcndete sie das Festival<br>Sounds of Ukraine, das die Vielfalt ukrainischer Musik<br>pr\u00e4sentiert. Zu ihren j\u00fcngsten Projekten z\u00e4hlen Auftritte in<br>der Berliner Philharmonie sowie Konzerttourneen mit<br>Werken von Barvinsky und Kosenko. Ihr aktuelles Album<br>Winter Whispers stie\u00df in der europ\u00e4ischen Presse auf gro\u00dfe<br>Resonanz.<br><br>                                      <strong>Tatjana Shylina-Lenk<\/strong><br><\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>.\u00abAdventskl\u00e4nge\u00bbvon J. S. Bach bis S. LiudkevychIn der Adventszeit sehnen wir uns nach Sch\u00f6nheit, W\u00e4rmeund einer feierlichen Stimmung. 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