{"id":6376,"date":"2026-04-07T18:37:05","date_gmt":"2026-04-07T16:37:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umfuturum.com\/?p=6376"},"modified":"2026-04-07T18:37:14","modified_gmt":"2026-04-07T16:37:14","slug":"das-programm-zum-konzert-von-boris-zobin-ukraine-am-24-01-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/programme-von-konzerten\/das-programm-zum-konzert-von-boris-zobin-ukraine-am-24-01-2026\/","title":{"rendered":"Das Programm zum Konzert von Boris Zobin (Ukraine) am 24.01.2026"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><br><br>Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810\u20131849)<br>Barcarolle Fis-Dur, Op. 60 (1845\u20131846)<br>Franz Liszt (1811\u20131886)<br>Vall\u00e9e d\u2019Obermann<br>aus Ann\u00e9es de p\u00e8lerinage I: Suisse, S.160<br>(1848\u20131854)<br>Viktor Kosenko (1896\u20131938)<br>\u00c9t\u00fcden in Form alter T\u00e4nze, Op. 19 (1928\u20131929)<br>\u2013 Menuett<br>\u2013 Courante<br>\u2013 Sarabande<br>\u2013 Bourr\u00e9e<br>\u2013 Gavotte<br>\u2013 Passacaglia<br>.<br>Auf den Wellen der Romantik<br>Die Bl\u00fctezeit der Romantik in der Musik entwickelte<br>sich im 19. Jahrhundert. Die Erweiterung traditioneller<br>musikalischer Formen, mutige harmonische<br>Experimente, freiere Ausdrucksm\u00f6glichkeiten am<br>Instrument sowie improvisatorische Virtuosit\u00e4t wurden<br>kennzeichnend f\u00fcr die Werke der Komponisten. Dieser<br>eng mit der Salonkultur verbundene Stil erm\u00f6glichte<br>eine lebendige, flexible und spontane Spielweise und<br>er\u00f6ffnete neue Horizonte emotionalen Ausdrucks.<br>Im Konzertprogramm stehen Werke von drei<br>Komponisten: Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810\u20131849), Franz<br>Liszt (1811\u20131886) und Viktor Kosenko (1896\u20131938).<br>Trotz ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu unterschiedlichen Epochen<br>verbinden diese K\u00fcnstler einige wesentliche<br>Gemeinsamkeiten. Alle drei waren brillante Pianisten,<br>und das Klavier wurde zum Hauptinstrument ihres<br>musikalischen Ausdrucks. Jeder von ihnen beherrschte<br>die Kunst der Improvisation virtuos: Chopin und Liszt<br>begeisterten das Publikum in Salons und auf<br>Konzertb\u00fchnen, Kosenko hingegen in Konzerts\u00e4len und<br>sogar in Kinos\u00e4len beim Begleiten von Stummfilmen.<br>Die Zuh\u00f6rer besuchten die Filmvorf\u00fchrungen oft<br>mehrfach, allein um seine Improvisationen zu h\u00f6ren.<br>Gleichzeitig verbindet alle drei eine tiefe Bindung an<br>ihre jeweilige nationale Kultur, die Stil und Charakter<br>ihrer Musik pr\u00e4gte:<br>.<br>Chopin, trotz seines Lebens au\u00dferhalb Polens,<br>bewahrte stets eine enge Verbindung zur polnischen<br>Volkskultur. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er<br>in kleinen polnischen St\u00e4dten, wo die musikalischen<br>Traditionen von Volksfesten mit authentischen<br>Melodien, Liedern und T\u00e4nzen seine unverwechselbare<br>musikalische Sprache pr\u00e4gten.<br>Liszt, geboren in der \u00f6sterreichisch-ungarischen<br>Monarchie, sprach kein Ungarisch, kannte aber von<br>Kindheit an den ungarischen Folklore-Schatz. Trotz<br>seines bewegten Lebens mit zahlreichen Reisen,<br>Ver\u00e4nderungen und k\u00fcnstlerischen Suchbewegungen<br>blieben ungarische Motive f\u00fcr ihn stets eine<br>Inspirationsquelle und ein geistiger Bezug zur<br>Heimatkultur.<br>Kosenko hatte die M\u00f6glichkeit, innerhalb des<br>sowjetischen Systems Karriere zu machen, entschied<br>sich jedoch bewusst f\u00fcr einen Weg, der mit der<br>ukrainischen Kultur verbunden war, und kehrte aus<br>Petrograd in seine Heimatstadt Schytomyr zur\u00fcck. In<br>seinem Schaffen verschmelzen west-europ\u00e4ische<br>Traditionen organisch mit einer romantischen<br>Neuinterpretation ukrainischer Folklore.<br>Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin \u2013 Barcarolle Fis-Dur, op. 60<br>(1845\u201346)<br>Die Barcarolle \u2013 ein Genre, das aus den Liedern der<br>venezianischen Gondolieri stammt und sich durch<br>einen sanften, wellenartigen Rhythmus auszeichnet \u2013<br>ist in Chopins Schaffen nur einmal vertreten: die<br>.<br>Barcarolle Fis-Dur, op. 60, eines der bedeutendsten<br>Werke seiner Sp\u00e4tzeit. Sie entstand 1845\u20131846 und ist<br>im charakteristischen 6\/8-Takt mit einem<br>durchgehenden wellenartigen Puls gestaltet. Das St\u00fcck<br>verbindet weitl\u00e4ufige, gesangliche Melodik mit<br>reichhaltiger Harmonik und komplexer, virtuoser<br>Klaviertextur und zeigt den reifen Stil des Komponisten.<br>Franz Liszt \u2013 Vall\u00e9e d\u2019Obermann (1835\u20131836)<br>Vall\u00e9e d\u2019Obermann (\u201eDas Tal von Obermann\u201c) ist<br>das zentrale und monumentale Werk des ersten Bandes<br>von Ann\u00e9es de p\u00e8lerinage (\u201eJahre der Pilgerschaft\u201c).<br>Der Zyklus entstand 1835\u20131836 unter dem Eindruck<br>einer Reise durch die Schweiz, die Liszt zusammen mit<br>seiner Geliebten, Gr\u00e4fin Marie d\u2019Agoult, unternahm.<br>Das St\u00fcck ist inspiriert vom Briefroman Obermann des<br>franz\u00f6sischen Schriftstellers \u00c9tienne Pivert de<br>S\u00e9nancour, den Liszt w\u00e4hrend seiner Reise gelesen<br>hatte. Die Hauptfigur des Romans erlebt eine tiefe<br>existenzielle Krise und sucht den Sinn des Lebens in der<br>majest\u00e4tischen Natur der Alpen. Diese Motive<br>spiegelten sich stark in der Musik des 24-j\u00e4hrigen Liszt<br>wider, der selbst auf der Suche nach seinem Lebensund k\u00fcnstlerischen Weg war.<br>Vall\u00e9e d\u2019Obermann ist ein programmatisches Werk mit<br>freier Form, das sich um zwei kontrastierende Themen<br>entfaltet: ein dunkles, von Zweifeln und innerer<br>Ersch\u00f6pfung gepr\u00e4gtes Thema und ein helles, von<br>Hoffnung und Lebenskraft getragenes. Ihr st\u00e4ndiges<br>.<br>Ineinandergreifen erzeugt eine tiefe emotionale<br>Dramaturgie, verst\u00e4rkt durch dynamische Kontraste<br>und eine dichte, gro\u00dfangelegte Klaviertextur.<br>Viktor Kosenko (1896\u20131938) \u2013 \u201eElf Et\u00fcden im<br>Stil alter T\u00e4nze\u201c, op. 19 (1928\u20131929)<br>Dieser Klavierzyklus ist ein einzigartiges kulturelles<br>Ereignis und ein Juwel der pianistischen<br>Auff\u00fchrungskunst im musikalischen Leben der Ukraine<br>des 20. Jahrhunderts. Unter Pianisten gilt er als<br>besonders anspruchsvoll, sowohl in virtuoser als auch<br>in k\u00fcnstlerischer Hinsicht. In den 1990er Jahren wurde<br>der Zyklus sogar f\u00fcr Sinfonieorchester bearbeitet.<br>Kosenko schrieb \u00fcber seine Herangehensweise: \u201eIch<br>habe diese klaren, festen alten Formen genommen und<br>versucht, sie mit der Empfindung unserer Zeit zu f\u00fcllen,<br>mit ihrer dynamischen Ausrichtung.\u201c<br>Jede der elf Et\u00fcden bezieht sich auf Barockt\u00e4nze<br>(Menuett, Gavotte, Allemande, Sarabande usw.) und<br>transformiert sie durch eine postromantische<br>Musik\u00e4sthetik mit komplexer polyphoner Textur,<br>charakteristischen tonalen und harmonischen<br>Merkmalen der Volksmelodik sowie einer brillanten<br>virtuosen Basis, die der Et\u00fcdenform entspricht. Der<br>Komponist verwendet keine direkten Volkslieder oder<br>Zitate, doch seine Musik ist durchdrungen von<br>volksliedhaften und t\u00e4nzerischen Intonationen und<br>erh\u00e4lt so eine ausgepr\u00e4gte nationale F\u00e4rbung.<br>.<br>Boris Zobin ist ein Musiker mit einem vielf\u00e4ltigen, sehr<br>breit gef\u00e4cherten akademischen Studium und ebenso<br>facettenreicher internationaler Konzertt\u00e4tigkeit.<br>In der Ukraine geboren und ausgebildet, lebt er in Tel Aviv;<br>er erhielt zahlreiche Preise von hohem Renom\u00e9e, darunter<br>der erste Preis beim Wettbewerb f\u00fcr Klavierkonzerte der<br>Jerusalemer Musikakademie (1999), und beim MagdaMeyers-Wettbewerb in Be\u2019er Sheva (1999), der dritte Preis<br>beim Internationalen Klavierwettbewerb in Saint-Nom-laBret\u00e8che (Paris, 2000).<br>Sein Klavier Repertoire umfasst eine breite stilistische<br>Vielfalt \u2013von barocken Partiten und Pr\u00e4ludien Bachs bis hin<br>zu romantischen Werken von Chopin, Liszt und Brahms.<br>Boris Zobin ist jedoch nicht nur ein tiefgr\u00fcndiger Interpret<br>des romantischen Repertoires, sondern auch der Musik des<br>fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, wie Ravel und Debussy.<br>Einen besonderen Platz in seinen Programmen nimmt die<br>ukrainische Musik von M. Lysenko, V. Kosenko, L.<br>Revutskyund S. Bortkiewicz ein. Seine Interpretationen<br>zeichnen sich durch ausgepr\u00e4gtes Phrasierungverst\u00e4ndnis,<br>dramatische Formgestaltung und eine feine Klangpalette<br>aus.<br>Nach Beginn des Krieges in der Ukraine gab Boris Zobin<br>zweimal Benefizkonzerte, deren Erl\u00f6se vollst\u00e4ndig den<br>Streitkr\u00e4ften der Ukraine zugutekamen.<br>Im Jahr 2023 spielte er im Viktor-Kosenko-Museum in<br>Kiew den gesamten Zyklus \u201e11 Et\u00fcden in der Form alter<br>T\u00e4nze\u201c \u2013 eines der bedeutendsten Werke der ukrainischen<br>Klaviermoderne.<br><br>                                   <strong>Tatjana Shylina-Lenk<\/strong><br><\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810\u20131849)Barcarolle Fis-Dur, Op. 60 (1845\u20131846)Franz Liszt (1811\u20131886)Vall\u00e9e d\u2019Obermannaus Ann\u00e9es de p\u00e8lerinage I: Suisse, S.160(1848\u20131854)Viktor Kosenko (1896\u20131938)\u00c9t\u00fcden in Form alter T\u00e4nze, Op. 19 (1928\u20131929)\u2013&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6454,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[253],"tags":[],"class_list":["post-6376","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-programme-von-konzerten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6376"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6419,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6376\/revisions\/6419"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}