{"id":6357,"date":"2026-04-07T18:32:24","date_gmt":"2026-04-07T16:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umfuturum.com\/?p=6357"},"modified":"2026-04-09T18:17:26","modified_gmt":"2026-04-09T16:17:26","slug":"das-programm-zum-konzert-von-yurii-kot-ukraine-am-22-02-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/programme-von-konzerten\/das-programm-zum-konzert-von-yurii-kot-ukraine-am-22-02-2026\/","title":{"rendered":"Das Programm zum Konzert von Yurii Kot (Ukraine) am 22.02.2026"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><br>Ludwig van Beethoven (1870\u20131827)<br>Klaviersonate Nr.8, op.13 \u201ePathetique\u201c (1798)<br>Klaviersonate Nr.14, op.27 Nr.2<br>\u201eMondscheinsonate\u201c (1801)<br>Vasyl Barvinsky (1888\u20131963)<br>Klaviersonate Des-dur (1910)<br>.<br>Bekanntes und Unbekanntes \u2014 Korrektur der<br>Musikgeschichte<br>Seit \u00fcber zwei Jahrhunderten gelten die Klaviersonaten<br>Ludwig van Beethovens als leuchtendes Beispiel f\u00fcr die<br>Tradition der klassischen europ\u00e4ischen Klaviermusik.<br>Die Sonate des ukrainischen Komponisten Vasyl<br>Barvinsky, 1910 komponiert, h\u00e4tte hingegen seit mehr als<br>hundert Jahren auf den gro\u00dfen B\u00fchnen der Welt erklingen<br>k\u00f6nnen, wenn ihr Schicksal nicht eine tragische Wendung<br>genommen h\u00e4tte.<br>Auf Anordnung der sowjetischen Obrigkeit wurde<br>dieses Werk gemeinsam mit anderen Manuskripten auf dem<br>Hof des Lemberger Konservatoriums im Jahr 1948<br>verbrannt. Barvinsky selbst wurde f\u00fcr zehn Jahre in die<br>mordwinischen Arbeitslager deportiert. Nach seiner<br>R\u00fcckkehr suchte Barvinsky bis zum Ende seines Lebens<br>seine Kompositionen aus dem Ged\u00e4chtnis zu<br>rekonstruieren.<br>Fast ein halbes Jahrhundert lang blieb die Musik Vasyl<br>Barvinskys vergessen und erst seit der Unabh\u00e4ngigkeit der<br>Ukraine beginnt sie, allm\u00e4hlich ins Konzertleben<br>zur\u00fcckzukehren.<br>Da die sowjetische Regierung die ukrainische Kultur<br>gezielt zerst\u00f6rte, ist das Schaffen Barvinkys au\u00dferhalb der<br>Ukraine bis heute weitgehend unbekannt.<br>Die Berliner Premiere der Klaviersonate des ukrainischen<br>Komponisten neben den weltber\u00fchmten Sonaten<br>Beethovens ist daher ein Ereignis von besonderer<br>Bedeutung \u2014 ein Akt der Korrektur einer zerst\u00f6rten<br>Geschichte der ukrainischen Musik im gesamteurop\u00e4ischen<br>Kunstkontext.<br>.<br>Ludwig van Beethoven (1770\u20141827)<br>Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 \u201ePath\u00e9tique\u201c<br>(1798)<br>Am Ende des 18. Jahrhunderts war Wien die<br>musikalische Hauptstadt Europas, ein Zentrum intensiver<br>k\u00fcnstlerischer Bewegung. Hierher kam der junge Ludwig<br>van Beethoven im Jahr 1792 und f\u00fcgte sich rasch in die<br>Traditionen der Wiener Meister ein. Schon bald wurde sein<br>Name neben jenen von Joseph Haydn und Wolfgang<br>Amadeus Mozart zu einem festen Bestandteil jener<br>Musikgeschichte, die seit mehr als zwei Jahrhunderten als<br>\u201eWiener Klassik\u201c bezeichnet wird.<br>Die-Sonate \u201ePath\u00e9tique\u201c entstand, als Beethoven 28<br>Jahre alt war und ist dem Grafen und M\u00e4zen Karl von<br>Lichnowsky gewidmet. Beethoven erweiterte die<br>M\u00f6glichkeiten des Klaviers, indem er die Textur mit einem<br>\u201eorchestralen\u201c Klang erf\u00fcllte: Die \u201eSymphonisierung\u201c der<br>Klaviersprache sowie die Zusammenf\u00fchrung der einzelnen<br>S\u00e4tze zu einer geschlossenen k\u00fcnstlerischen Gesamtheit<br>erhob das Genre der Sonate auf eine neue Ebene.<br>Die drei S\u00e4tze sind von einer einheitlichen<br>dramaturgischen Idee getragen \u2014 dem Weg \u201evon der<br>Dunkelheit zum Licht\u201c. Musikkritiker betrachteten diese<br>Sonate als k\u00fcnstlerisches Bild eines Dialogs zweier Kr\u00e4fte:<br>des unerbittlichen Schicksals und des menschlichen<br>Strebens, es zu \u00fcberwinden. Dieses Bild erscheint sp\u00e4ter<br>erneut in der\u201eEroica\u201c, der Dritten Sinfonie, und schlie\u00dflich<br>in der F\u00fcnften Sinfonie, die ebenfalls in derselben Tonart cMoll steht.<br>.<br>Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2<br>\u201eMondscheinsonate\u201c (1801)<br>Der Musikschriftsteller Ludwig Rellstab verglich die<br>Musik des ersten Satzes mit dem Mondlicht, das sich auf der<br>Oberfl\u00e4che des Vierwaldst\u00e4ttersees spiegelt \u2014 daraus<br>entstand sp\u00e4ter der Name \u201eMondscheinsonate\u201c. Das Werk<br>ist der Gr\u00e4fin Giulietta Guicciardi gewidmet, einer Wiener<br>Aristokratin und Klaviersch\u00fclerin Beethovens. Der<br>Komponist selbst bezeichnete die Sonate als \u201eSonata quasi<br>una fantasia\u201c Indem er sich von den kanonischen<br>Strukturen der klassischen Sonatenform entfernte, verband<br>Beethoven kontrastierende Charaktere zu einer<br>geschlossenen dramaturgischen Einheit:<br>von der kontemplativen, poetischen Stimmung des ersten<br>Satzes \u00fcber das leichte, t\u00e4nzerische Scherzo, -das Franz<br>Liszt mit einer \u201eBlume zwischen zwei Abgr\u00fcnden\u201c verglich<br>\u2014 bis hin zum kraftvollen, emotional aufgeladenen Finale<br>als Kulminationspunkt. Seit mehr als zweihundert Jahren<br>nimmt dieses Werk einen besonderen Platz im<br>internationalen Konzertrepertoire ein.<br>Vasyl Barvinsky (1888\u20131963)<br>Klaviersonate Des-Dur (1910)<br>Vasyl Barvinsky ist eine der zentralen und zugleich<br>tragischen Pers\u00f6nlichkeiten der ukrainischen Musikkultur<br>der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts \u2014 ein Komponist<br>von europ\u00e4ischem Rang. Sein k\u00fcnstlerischer Weg formte<br>sich im Raum der mitteleurop\u00e4ischen Kultur zwischen<br>Lemberg, Prag und Wien und wurde durch den<br>stalinistischen Terror gewaltsam unterbrochen.<br>Seine professionelle Ausbildung erhielt Barvinsky in<br>Lemberg und am Prager Konservatorium, wo er sich im<br>Umfeld der modernen europ\u00e4ischen Kunst des fr\u00fchen 20.<br>Jahrhunderts entwickelte. Bereits in diesen Jahren zeigte er<br>als Pianist und Komponist ein ausgepr\u00e4gtes Interesse an<br>neuen kompositorischen Techniken und Formen. Nach<br>seiner R\u00fcckkehr nach Lemberg wurde Barvinsky zu einer<br>zentralen Figur des musikalischen Lebens der Stadt: \u00dcber<br>24 Jahre leitete er das Mykola-Lysenko-Musikinstitut und<br>sp\u00e4ter das Lemberger Konservatorium, wobei er seine<br>kompositorische mit p\u00e4dagogischer, organisatorischer und<br>aufkl\u00e4rerischer T\u00e4tigkeit verband.<br>Nachdem er fast taub nach zehnj\u00e4hriger Haft in den<br>mordwinischen Lagern im Jahr 1958 nach Lemberg<br>zur\u00fcckgekehrt war, wurde ihm jedoch verboten zu<br>unterrichten oder auch nur das Geb\u00e4ude des<br>Konservatoriums zu betreten. Verbittert fasste er sein Leben<br>mit den Worten zusammen \u201eIch bin ein Komponist ohne<br>Partituren.\u201c<br>Dennoch war Vasyl Barvinsky der erste ukrainische<br>Komponist, dessen Werke auf verschiedenen Kontinenten<br>ver\u00f6ffentlicht wurden \u2014 in Europa, den Vereinigten Staaten<br>und Japan (Edition Peters, Universal Edition, Nakamura bis<br>1939).<br>Einen besonderen Platz in seinem Schaffen nimmt die<br>Sonate Des-Dur (1910) ein \u2014 die erste ukrainische<br>Klaviersonate des 20. Jahrhunderts. Gro\u00df angelegt in Form<br>und Virtuosit\u00e4t, verbindet sie die klassische Sonatenstruktur<br>mit Merkmalen modernen musikalischen Denkens. Im<br>ersten Satz wird der rhythmisch-intonatorische und<br>pentatonische Kern der Siciliana in streng<br>monothematischer Weise entwickelt, w\u00e4hrend das Finale in<br>einer komplexen Doppelfuge gipfelt.<br>Heute kehrt das Erbe Vasyl Barvinskys allm\u00e4hlich auf<br>ukrainische und internationale B\u00fchnen zur\u00fcck. Sein Werk<br>erscheint als Beispiel einer hochentwickelten europ\u00e4ischen<br>Kultur, die vernichtet werden sollte, die jedoch aus der<br>Geschichte der Musik nicht ausgel\u00f6scht werden kann.<br><br>                                      <strong>Tatjana Shylina-Lenk<\/strong><br><br><\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven (1870\u20131827)Klaviersonate Nr.8, op.13 \u201ePathetique\u201c (1798)Klaviersonate Nr.14, op.27 Nr.2\u201eMondscheinsonate\u201c (1801)Vasyl Barvinsky (1888\u20131963)Klaviersonate Des-dur (1910).Bekanntes und Unbekanntes \u2014 Korrektur derMusikgeschichteSeit \u00fcber zwei Jahrhunderten gelten&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4859,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[253],"tags":[],"class_list":["post-6357","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-programme-von-konzerten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6357"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6421,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6357\/revisions\/6421"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}