{"id":5022,"date":"2024-05-15T00:57:01","date_gmt":"2024-05-14T21:57:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umfuturum.com\/portfolio\/lewko-revuzkyi-1889-1977\/"},"modified":"2024-05-28T07:50:10","modified_gmt":"2024-05-28T04:50:10","slug":"lewko-revuzkyi-1889-1977","status":"publish","type":"portfolio","link":"https:\/\/umfuturum.com\/de\/portfolio\/lewko-revuzkyi-1889-1977\/","title":{"rendered":"Levko Revuzkyi (1889-1977)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levko Revuzkyi wuchs in einer Familie alten Adels auf, in der Musik eine gro\u00dfe Rolle spielte. Sein Bruder, Dmytro Rewuzkyi, war einer der bekanntesten Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaftler. Die Br\u00fcder sind auf der Liste der 100 bekanntesten Ukrainer verzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tod der Eltern zog Levko nach Kyjiv, begann zun\u00e4chst mit einen Jurastudium und nahm Klavierunterricht bei dem ber\u00fchmten Komponisten Mykola Lysenko. Sein anf\u00e4nglicher Wunsch, Klaviervirtuose zu werden, wandelte sich unter dem Einfluss des nahezu gleichaltrigen Komponisten Reinhold Gli\u00e8re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dessen innovative Experimente inspirierten ihn zu eigenen Kompositionen, die sich mutig \u00fcber die bestehenden akademischen Grenzen hinwegsetzten. So schrieb er u.a. die Chorkantate \u201eHystna\u201c, komponierte Klaviermusik und bearbeitete ukrainische Volkslieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L. Revuzkyi durchlebte 2 Weltkriege. An der Front in Riga fand er 1917 in einem weitgehend zerst\u00f6rten Haus einen noch intakten Fl\u00fcgel vor. Er versuchte, auf diesem Fl\u00fcgel das Ger\u00e4usch der Ostseebrandung nachzuahmen. 1921 f\u00fcgte er dieses Es-Dur-Pr\u00e4ludium in den Zyklus von 2 Pr\u00e4ludien op.7 ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Musik ist von einem erhabenen, zuversichtlichen Geist erf\u00fcllt und vermittelt unter Nutzung aller Klavierregister das Bild einer ruhigen und majest\u00e4tischen Meereslandschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der R\u00fcckkehr in die Ukraine, als die Bolschewisten die Macht \u00fcbernommen hatten, wurden er und seine Familie vom Familiengut vertrieben; vor\u00fcbergehend mussten sie in einem Stall leben. 1919 wurde er verhaftet und als \u201efeindliches Element\u201c zum Tode verurteilt. Nur durch das Eingreifen seines Bruders Dmytro wurde er gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Musiker arbeitslos, arbeitet L. Revutzkyi bei der Bahn, fuhr aber fort zu komponieren. Er schrieb u.a. eine Chorkantate und Klavierpr\u00e4ludien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Werke wirken durch den Gebrauch emotionaler und expressiver Harmonien und die Vielfalt der Tonalit\u00e4t in einer polyphonen Struktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Revutzkyis Werke wurden von seinen dortigen Kollegen sehr gesch\u00e4tzt. Er wurde eingeladen, am Musik- und Theaterinstitut von Kyjiw zu unterrichten (benannt nach Mikola Lysenko).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seiner zweiten Sinfonie gewann Revutzkyi 1927 den ersten Preis des Allukrainischen Wettbewerbs und schuf damit die Grundlagen der sinfonischen ukrainischen Musik des 20. Jahrhunderts. Die musikalische Textur basiert auf ukrainischer Volkslyrik mit ihrer Begeisterung f\u00fcr die Natur, dem Eintauchen in die umgebende Welt, Leichtigkeit und Transparenz der musikalischen Bilder und erreicht eine Sensibilit\u00e4t, die nicht illustrativ, sondern tiefgr\u00fcndig und ber\u00fchrend wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Partituren beider Sinfonien, des Klavierkonzerts sowie zahlreicher Chor- und Klavierwerke verbrannten w\u00e4hrend des II. Weltkriegs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 1930 einsetzenden, noch h\u00e4rteren Repressionen forderten von den K\u00fcnstlern, die kommunistische Partei zu verherrlichen und ihr zu dienen. Andernfalls wurden sie des Verrats beschuldigt und zu \u201eVolksfeinden\u201c erkl\u00e4rt mit der Folge, in Lager geschickt oder erschossen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der sowjetischen Gesellschaft wurde das gesamte kompositorische Schaffen einer strengen Kontrolle durch die kommunistische Ideologie unterstellt. Der Komponistenverband \u00fcbernahm die Kontrolle. Der kreative Elan wurde erstickt mit der Folge, dass Revutzkyi kaum noch Musik schrieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs, als Revutzkyi einen Lehrstuhl f\u00fcr Komposition, Musiktheorie und-Geschichte im Konversatorium von Taschkent, Usbekistan, leitete, wurde sein einziger Sohn an der Front schwer verwundet, der Bruder und seine Frau wurden von Tschekisten mit der Axt brutal ermordet. S\u00e4mtliche Werke wurden vernichtet. Der Verlust des Bruders beeinflusste Revutzkyi tiefgreifend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sein enger Kollege Lyatoshynsky Verfolgungen und Kritik wegen seiner Dritten Sinfonie erfahren musste, die heute als Juwel des ukrainischen Symphonik gilt, vernichtete Revutzkyi seine eigene neue Dritte Symphonie, um Repressionen zu entgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 1944 kehrte Revutzkyi ins befreite Kiew zur\u00fcck. Er arbeitete am Konservatorium und in der Komponistenunion der Ukraine, die er von 1944-1948 leitete und war Mitglied des Vorstands der Komponistenunion der UdSSR. Obgleich er versuchte, seine verlorengegangenen Werke zu rekonstruieren, blieb seine dar\u00fcber hinaus gehende kreative Arbeit eher sp\u00e4rlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er genoss hingegen die Arbeit mit Studenten. Viele geh\u00f6rten zu der zuk\u00fcnftigen Elite der ukrainischen Musik, so P. und G. Mayboroda, A.Filipenko, M. Dremlyuga, V.Kireyko. Vielen von ihnen gew\u00e4hrte Revutzkyi in den schwierigen Nachkriegsjahren heimlich \u201eStipendien\u201c aus seinem eigenen Einkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Revutzkyi, der die Trag\u00f6die seiner Epoche durchlebt hatte, \u00fcbermittelte den nachfolgenden Generationen den lebendigen Kern der ukrainischen musikalischen Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassung: Levko Revutzkyj ist eine der herausragendsten Pers\u00f6nlichkeiten der ukrainischen Musikkultur der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Lebens- und Schaffenskatastrophe dieses K\u00fcnstlers, der in der Bl\u00fcte seiner Kraft von der Komponistent\u00e4tigkeit Abstand nahm, ist im Kontext der Ereignisse der ukrainischen Geschichte des letzten Jahrhunderts zu betrachten. Die Ersch\u00fctterung durch die Ermordung seines Bruders, des Kunstwissenschaftlers, Literaturwissenschaftlers und Folkloristen Dmytro Revutzkyj, im Jahr 1941 und der Verlust vieler eigener Manuskripte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs teilten das Leben Revutzkyjs in zwei H\u00e4lften: eine aktiv kreative Periode in den 1920er und 1930er Jahren, gepr\u00e4gt von der ukrainischen Renaissance und den stalinistischen Repressionen, sowie einige Jahrzehnte des \u201eSchweigens\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kompositorische Denkweise von Levko Revutzkyj zeichnet sich durch ein tiefes Eintauchen in die Uralt-Schichten der ukrainischen Folklore aus, betrachtet durch das musikalische Weltbild des 20. Jahrhunderts. Hierbei steht der Neofolklorismus im Zentrum, welcher den kreativen Prinzipien eines B\u00e9la Bart\u00f3k nahekommt. Seine Musik offenbart ein intensives postimpressionistisches Gesp\u00fcr f\u00fcr Timbre und Harmonie, durchzogen von Momenten gewaltiger expressionistischer Spannung, die besonders oft in seinen Klavierwerken Ausdruck findet. Die Klaviermusik des Komponisten wurzelt in den Traditionen des romantischen Klavierspiels, in dem sich Gesanglichkeit und virtuose Konzertgestaltung vereinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Levko Revuzkyi wuchs in einer Familie alten Adels auf, in der Musik eine gro\u00dfe Rolle spielte. Sein Bruder, Dmytro Rewuzkyi, war einer der bekanntesten Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaftler. Die Br\u00fcder sind auf der Liste der 100 bekanntesten Ukrainer verzeichnet. 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